Kinjite – Tödliches Tabu (USA 1989)

kinjite„That’s justice.“ – Mit ganz eigener Vorstellung von Gerechtigkeit: Crowe

Die Kollaboration von Actionstar Charles Bronson und Regisseur J. Lee Thompson war eine denkbar beständige. Zwischen 1976 und 1989 drehten sie neun Filme, darunter „St. Ives“, „Der weiße Büffel“ und das „Casablanca“-Quasi-Remake „Caboblanco“. Größere Aufmerksamkeit erhielten jedoch jene Werke, die während der 80er für die berüchtigte Cannon-Produktionsfirma der Vettern Menahem Golan und Yoram Globus entstanden. Unter ihnen finden sich Titel wie „Der Liquidator“, „Murphy’s Law“ und „Death Wish 4“. Die letzte gemeinsame Arbeit, das Krimi-Drama „Kinjite – Tödliches Tabu“, markierte zugleich Thompsons Abschied aus dem Filmgeschäft.

Zum Abschluss einer Karriere, die mit einer Oscar-Nominierung als Bester Regisseur (1961 für „Die Kanonen von Navarone“) geadelt wurde, singt er jedoch das Hohelied der Selbstjustiz. Klar, dass der ewig rot sehende und hier bereits sichtlich gealterte Bronson da als Idealbesetzung erschien. Der gibt den Großstadtbullen Crowe, der in Los Angeles dem fiesen Zuhälter Duke (Juan Fernández, „Hexenkessel Miami“) nachstellt, der Minderjährige entführt und zur Prostitution zwingt. Wie ernst es dem sorgenden Familienvater ist, den Scheißkerl (mit Migrationshintergrund!) zur Strecke zu bringen, zeigt sich, als dieser ihn mit einer sündhaft teuren Uhr bestechen will.

Denn als Vorkämpfer erzreaktionärer Hands-on-Mentalität wird Duke genötigt, den Luxus-Zeitanzeiger zu fressen und während der Zuschauer mit einiger Genugtuung dem wüsten Röcheln des Finsterlings lauscht, fackelt ihm Crowe auch noch den Nobelschlitten unter dem Hintern ab. Nimm das, demokratisches Rechtssystem! Seine Indizierung jedenfalls verdient sich der Film redlich. Weil der formelhafte „Cop vs. Scumbag“-Plot aber zu wenig Futter hergibt, um einen ganzen Film zu füllen, müssen noch die sexuellen Gelüste des japanischen Geschäftsmannes Hiroshi Hada (James Pax, „Shootfighter“) als Beschleuniger herhalten. Der wird von Tokio nach L.A. versetzt und scheint gewillt, mal richtig die Sau rauszulassen. Dabei begrabbelt er nach einem Saufgelage aber ausgerechnet Crowes Teenager-Tochter.

Das führt beim ergrauten Ethik-Kreuzritter (natürlich) zu rassistischen Anwandlungen, die sich erst legen, als Hadas Tochter von Duke verschleppt wird. Diese Überlappung von Figuren und (konstruierten) Schicksalen hätte „Kinjite“ durchaus brauchbar mit den aufgeworfenen Themenfeldern jonglieren lassen können. Aber Thompson will nicht diskutieren, sondern die aufgetanen Abgründe exploitativ beackern. Also müssen brutale Action-Intermezzi her, bei denen der Zweck wieder Bronsons Mittel heiligt. So wird Duke – der zwar Mädchen misshandeln, aber nicht schwimmen kann – am Ende nicht etwa abgeknallt, sondern im Knast dem bulligsten Vergewaltiger als Appetithäppchen gereicht. Ein zynisch-tendenziöses Machwerk, an dem einzig Freunde der enthemmten 70er Spaß finden.

Wertung: 4.0 Stars (4,0 / 10)

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